KÜNSTLICHE INTELLIGENZ UND IHRE ROLLE BEI DER DESINFORMATION

Obwohl die Wurzeln der Künstlichen Intelligenz bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts zurückreichen, hat diese Technologie lange Zeit wenig Aufmerksamkeit erfahren.

Obwohl die Wurzeln der Künstlichen Intelligenz bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts zurückreichen, hat diese Technologie lange Zeit wenig Aufmerksamkeit erfahren.

Erst mit Beginn der 2010er Jahre scheint das Ende des langen KI-Winters eingeläutet worden zu sein: Im Jahr 2011 schlug IBMs Computersystem Watson die besten menschlichen Spieler in der Fernseh-Quizshow Jeopardy 1), Googles selbstfahrender Autoprototyp legte mehr als 100.000 Meilen (160.000 Kilometer) zurück, und Apple stellte die „intelligente persönliche Assistenz“ Siri vor.

Das öffentliche Interesse an Künstlicher Intelligenz, vor allem an den mit ihr verbundenen Risiken, ist seither stetig gewachsen. Der Diskurs über Superintelligenz – ausgelöst durch das gleichnamige Buch von Nick Bostrom, das 2014 erschienen ist – hat die Aufmerksamkeit noch weiter gesteigert. Seitdem haben sich prominente Persönlichkeiten immer wieder mahnend, teils alarmierend zu dem Thema geäußert. Häufig zitiert werden Stephen Hawking („Die Entwicklung der künstlichen Intelligenz könnte das Ende der Menschheit bedeuten“) und Elon Musk („KI ist ein grundlegendes existenzielles Risiko für die menschliche Zivilisation“).

Risiken erkennen

und entgegenwirken

Während Superintelligenz und auch die sogenannte „starke KI“ (AGI, Artificial General Intelligence) noch in ferner Zukunft liegen, spielt die „schwache KI“ mit ihren gar nicht so schwachen Algorithmen bereits heute eine immer größer werdende Rolle in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Die Autorin ist davon überzeugt, dass die Auswirkungen auf Gesundheit, Energie, Sicherheit, Mobilität und viele weitere Bereiche weitgehend positiv sein werden. Wir werden aber die positiven Seiten der Entwicklungen nur dann genießen können, wenn wir die Risiken dieser Technologie erkennen und ihnen erfolgreich entgegenwirken.

Eines dieser Risiken ist der Missbrauch der Technologie für die bewusste Verbreitung von falschen Informationen. Politisch motivierte Desinformation ist selbstverständlich kein neues Phänomen. Stalin und Mao sind die prominentesten Namen unter jenen Diktatoren, die regelmäßig Fotografien so bearbeiten ließen, dass alte Bilder mit der aktuellen „Wahrheit“ übereinstimmten: Wer nicht länger genehm war, wurde aus den Bildern gelöscht, wer neu in die Parteispitze kam, wurde nachträglich hinzugefügt; auch der Kontext der Bilder wurde, zum Beispiel durch einen abweichenden Hintergrund, verändert.

„Wir werden die positiven Aspekte dieser Technologie nur dann genießen können, wenn wir ihre Risiken erkennen und ihnen erfolgreich entgegenwirken.“

Mit der manipulierten visuellen Aufzeichnung sollten neue Fakten geschaffen, Geschichten und Geschichte neu geschrieben werden. Damals waren solche Anpassungen langwierig und setzten Spezialwissen voraus, heute kann dies – mit der richtigen App auf dem Smartphone – jede und jeder problemlos selbst erledigen. Und bei Fotos macht die Technologie nicht halt. Ein gefälschtes Video zu produzieren, das glaubwürdig aussieht, ist aktuell zwar noch mit einigem Aufwand verbunden. Doch durch bestimmte Verfahren der Künstlichen Intelligenz wird es zusehends einfacher, existierende Videos zu manipulieren. Diese Videos sind mittlerweile unter dem Namen Deepfakes bekannt geworden. Noch sind sie im Internet selten zu finden, doch mit zunehmender Nutzung und Verbreitung stellen sie eine immer größer werdende Herausforderung für unsere Gesellschaft dar.

Manipulierte Inhalte verbreiten sich auf Plattformen wie Facebook oder YouTube nicht nur in hoher Geschwindigkeit, sie werden aufnahmewilligen Empfängerinnen und Empfängern auch gezielt angezeigt. Zudem verlagert sich die Verbreitung von Desinformation zunehmend auf Messengerdienste wie zum Beispiel WhatsApp. Dort werden verschlüsselte Nachrichten über private Verbindungen verbreitet, was das Vertrauen in die weitergeleiteten Informationen erhöht; es wird dadurch eine Art versteckte Viralität erzeugt.

Die Verschlüsselung der privaten Online-Kommunikation ist, ähnlich wie das Briefgeheimnis, ein erstrebenswertes Gut – auf diese Weise können Nachrichten nicht von Dritten eingesehen werden. Die Verschlüsselung bedeutet aber auch, dass die dort verbreiteten Informationen nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft und somit nicht entsprechend moderiert werden können.