Awa Ly – Sängerin ohne Grenzen

In ihren Songs mischt die französisch-senegalesische Sängerin ihre Wurzeln mit starken politischen Statements.

Text: Karen Horn

Aber wo, wo ist eure Menschlichkeit?“, seufzt Awa Ly in dem Song „Here and Everywhere“. Das sanfte, melancholische Lied, das die französische Singer-Songwriterin, Schauspielerin und Produzentin 2013 geschrieben hat, ist ein aufrüttelnder Appell, etwas zu unternehmen, um das Sterben im Mittelmeer zu beenden. „Hierher zu kommen / ist kein Verbrechen / auf der Flucht vor Krieg und Armut / auf der Suche nach Freude und Freiheit“, ruft sie in Erinnerung und malt sich aus, wie es für die Migranten sein muss, ihr Leben aufs Spiel zu setzen, ihre Freunde in den Wellen zu verlieren und vergeblich auf eine Antwort aus Ländern zu warten, in denen sie letztlich unerwünscht sind.


Awa Ly hat ihr Lied der Freiheit, Teil des Albums „Five and a Feather“, als eine Art internationale Flaschenpost auf die Reise geschickt, indem sie Musiker aus aller Welt dazu einlud, eine Strophe in ihrer jeweiligen Landessprache hinzuzufügen. Inzwischen gibt es davon unter anderem Versionen aus Frankreich, Italien, Kroatien, Tunesien, Brasilien, Argentinien und von den Kapverden.

Mystisches Ausnahmetalent

Nicht alle Kompositionen von Awa Ly, die 1977 in Paris als Kind senegalesischer Eltern auf die Welt gekommen ist, tragen eine derart unmittelbare politische Botschaft. Zumeist geht es in ihnen mehr um zarte Gefühle, um Liebe und Freundschaft. Die durch alle Welt tourende Musikerin, die in den Fachblättern als „wahres Ausnahmetalent“ mit einer „phänomenalen Bühnenpräsenz“ und „samtiger“, gar „mystischer“ Stimme gepriesen wird, ist in Deutschland unter anderem schon auf dem Rheingau Musik Festival aufgetreten. Sie bezeichnet ihren Stil als „sehr folkloristischen Pop mit Verunreinigungen aus Blues und Jazz“.


Als Inspirationen nennt sie Sarah Vaughan, Ella Fitzgerald und Nina Simone aus dem Jazz ebenso wie die World-Musikerinnen Susheela Raman, Rokia Traoré, Asa und Hindi Zahra. Die polyglotte Weltbürgerin mischt Elemente aus verschiedenen Kulturen, sodass neben Steel-Gitarre und Trompeten beispielsweise auch die afrikanische Harfe Kora zum Klingen kommt, das Lamellenklavier Senza und das chinesische Streichinstrument Erhu. Die Liebe zur Musik ist ihr schon im Elternhaus vermittelt worden – der Vater besaß, wie sie sagt, eine sehr umfassende Plattensammlung, in der westafrikanische Musik auf Simon & Garfunkel, Neil Young, Jazz und afrokubanische Orchester traf.


Dass sie selbst ihr berufliches Leben der Musik widmen würde, verdankt sich einem Zufall. Vor zwanzig Jahren kam sie für ein Praktikum nach Rom, wurde in der Freizeit von Freunden in die Jazz-Szene eingeführt, nahm an Jamsessions teil und begann schließlich selbst zu komponieren. Noch heute lebt sie in der italienischen Hauptstadt. Ihr erstes Album, „Modulated“, kam 2009 heraus. Als Schauspielerin hat sie unter anderem in dem Film „La nostra vita“ von Daniele Luchetti mitgewirkt, der 2010 auf dem Filmfestival von Cannes in die Auswahl kam.

Ihren Stil bezeichnet Awa Ly als folkloristischen Pop mit Verunreinigungen aus Blues und Jazz.

Awa Ly ist als Kind senegalesischer Eltern in Paris geboren, hat in New York studiert und in Rom ihre internationale Karriere gestartet. 2009 erschien ihr erstes Album „Modulated“.